Living-History

Living History

 

 

Interessen gehen seltsame Wege, manches muss reifen und wachsen. Oder der richtige Partner muss erst gefunden werden.

Magister Quaer, daher ich, konnte mit meinen ersten ersten Besuchen auf den Märkten , die schon fast zwanzig Jahre her sind, diesen nichts abgewinnen. Frisch aus dem Mediavistik - Seminar und den Mittelhochdeutschkursen kommend, fand ich den "Marktsprech: Seyd gegrueßt!" unerträglich. Insbesondere, wenn zu hören war: Die sprechen sogar dort wie im Mittelalter....

Aber Jahre später, frisch verliebt zusammen mit meiner heutigen Frau, fand ich den Wormser Markt nur noch romantisch! Danke "Wormser Gewandete", danke Wormser Wäldchen, danke meine alte Heimatstadt!

 

Und vor allem allem Dank und alle Liebe an meine frouwe, min wip, meine true minne, min leben und lib!

 

Hochzeit im Kurpfälzer Amtshof in Bad Münster am Stein-Ebernburg 2012

Der Gedanke war nun, es einfach doch besser zu machen. Doch in der Praxis lernten wir, dass es "gut" zu machen, schon viel sein kann. In den historischen Seminaren werden einem die Gewandungesschnitte nicht gelehrt... und die genau richtigen Stoffe zu bekommen ist annähernd unbezahlbar oder mit sehr sehr viel Zeitauffwand verbunden..

Recherche, Fehler und Frust lehren uns den Respekt vor den Freunden, die eine gute Darstellung bereits hinbekommen.

 

Nachdem meine Frau sich das Spinnen am Rad beigebracht hatte und daran so viel Freude fand, dass eine Überproduktion an diversen Garnen entstand, war es Zeit, einen Stand aufzubauen. Ein kleines, unvollständiges Apsidenzelt eines Freundes wurde günstig aufgekauft und zu Ende genäht. Bald schon wurde es durch ein Vorzelt und später durch Seitenflügel vergrößert.

Nun hat es bis heute sieben Jahre gedauert, um auf den Stand zu kommen, auf dem wir uns befinden. Wir wissen um die Probleme unserer Darstellung/en und fertig sind wir noch immer nicht.

Darf ein Reichsministerialer hinter einem Stand stehen? Eigentlich nicht. Aber wir sind im Auftrage unsereres Kaisers Friedrichs 2. unterwegs, und die Kasse ist klamm-. Tatsächlich hätte ein Reichsministerialer Bedienste und militärische Eskorde bei sich geführt. Der Verkauf von Waren wäre nicht untersagt, aber selbst hätte ihn wohl keiner hinter einer Theke gesehen. Denn selbst, wenn der Ministeriale nicht unbedingt dem Adelsstand entstammte, hätte er sich in seinen Werten doch zu diesem hin orientieren müssen und seinen Knechten den Verkauf überlassen, um mit "E(h)re" vor die Adeligen treten zu können.. Diese Darstellung des Reichsministerialen also kann eigentlich nur in musealer oder während schausspielerischer Darstellung wirklich treffend gezeigt werden (Reenactment). Auf dem Märkten also sind wir die www.lanarius-handspinnerei.de (s.O. eigene Seite), daher sozusagen Incognito.

In Schöneberg bei Bad Kreuznach, 27.07.2013